Karstlehrpfad
Beschreibung

Steile Felswände, lehmige Höhlen und klare Quellen: Auf dem Karstlehrpfad zwischen Zwingen und Grellingen gibt es viel Spannendes zu entdecken. Es ist die einzigartige Schaffenskraft des Wassers, die diese Gegend südlich der Birs geformt hat. Hier befinden sich verschiedenste Karst- und Höhlenphänomene vereint auf kleinem Raum: eine Karstlandschaft zum Anfassen, die ihr Gesicht je nach Wasserstand und Jahreszeit massiv verändert. Über ein Dutzend Informationstafeln des Themenwegs informieren im Brislachallmet und im Kaltbrunnental über die Geheimnisse des Untergrunds, über das empfindliche Ökosystem der Höhlen, über deren Entstehung und lichtscheuen Bewohner. Biologie und Geschichte dieses Abschnitts des Laufentals, der in seiner Wildheit kaum zu übertreffen ist, werden anschaulich erklärt und bringen eine faszinierende Welt an den Tag, die uns sonst verborgen bleiben würde.

Impressionen
Informationstafeln
Tafeln entlang des Pfades
Detaillierte Informationen über die Informationstafeln des Pfades finden sich auf der Internetseite www.karstlehrpfad.ch.
Tafel 1: Karstlehrpfadübersicht
Wasser, Höhlen, Quellen: Das waldige Gebiet des Brislachallmet und das tief eingeschnittene Kaltbrunnental bieten, obwohl eines der weniger bekannten Höhlengebiete der Schweiz, die Möglichkeit, verschiedenste Karstphänomene auf kleinem Raum zu beobachten.
Tafel 2: Forschungsgeschichte
Bereits in der Urgeschichte lebten Menschen in den Höhlen des Kaltbrunnentals, wie Funde bereits vor langer Zeit ans Tageslicht brachten. Die höhlenkundliche Erforschung in der Region begann aber erst ab 1969. Noch ist nicht alles erforscht – enge Gänge und Siphons verhindern in verschiedenen Höhlen ein Durchkommen.
Tafel 3: Bättlerloch
Das Bättlerloch ist mit einem Kilometer Länge die längste bekannte Höhle des Baselbiets. Sie führt relativ eben in den Berg hinein, doch um in den geräumigen Hauptgang zu gelangen, muss man zuerst einen der engen, niedrigen Eingänge überwinden. Seinen Namen dürfte das Bättlerloch wegen der Bettler und Vagabunden erhalten haben, die in früheren Zeiten den Ort als Rastplatz auswählten. Bei Gewitter steigt der Wasserspiegel des Höhlenbachs blitzartig an, weshalb ein Besuch im Bättlerloch lebensgefährlich sein kann.
Tafel 4: Entstehung einer Höhle
Eine Höhle braucht Millionen von Jahren, um zu entstehen. Dazu ist das Zusammenspiel von leicht löslichem Gestein (wie etwa Kalk) und kohlensäurehaltigem Wasser nötig, welches dieses Gestein unablässig „bearbeitet“. Unterirdische Wasserwege beeinflussen die Höhlenbildung.
Tafel 5: In Höhlen lebende Tiere
In den Höhlen der Region wurden bisher 48 verschiedene Tierarten nachgewiesen. Sie lassen sich in verschiedene Gruppen aufteilen: Echte Höhlentiere leben ausschliesslich in Höhlen und haben sich diesem extremen Lebensraum gänzlich angepasst, wie spezielle Krebse oder Würmer. Höhlenliebende Tiere leben sowohl im Erdinnern als auch draussen, beispielsweise gewisse Arten von Fledermäusen, Spinnen oder Schmetterlingen. Höhlenfremde Tiere hingegen – wie der Mensch – könnten in einer Höhle nicht lange überleben.
Tafel 6: Höhlenschutz
Höhlen sind in sich geschlossene Biotope, die sich praktisch nicht regenerieren. Durch die meisten Höhlen fliesst Wasser, welches sich aufgrund des Kalks kaum selbst reinigt. Wer Höhlen verunreinigt, verschmutzt also automatisch auch das Quell- uns somit unser Trinkwasser. Dies ist einer der Gründe, weshalb der Schutz dieser empfindlichen Orte Not tut.
Tafel 7: Schällbach-Ponor
Der Schällbach entspringt oberhalb Brislach und versickert vor und nach dem Schällbachponor in diversen Bachschwinden. Im tiefsten Siphon sammelt es sich und kehrt später in der Röhrenquelle im Kaltbrunnental wieder ans Tageslicht zurück. Bei Starkregen flutet der Schällbach den 140 Meter langen und 33 Meter tiefen Schällbachponor bis über den Eingang.
Tafel 8: Doppeldoline im Schäll
Die Doppeldoline im Schäll ist nur eine von vielen Dolinen im Wald beim Kaltbrunnental. Dolinen sind verbreitete Karstformen, die als Trichter, Schüsseln oder als flache Mulden im Boden auftreten. Auf slawisch bezeichnet „dolina“ ein Tal, aber auch kleine geschlossene Karsthohlformen. Es gibt verschiedene Dolinenarten.
Tafel 9: Ibachhöhle
Höhlenräume werden in Spaltengänge, Kluftgänge und Schichtfugengänge aufgeteilt. Ebenfalls unterscheidet man sie nach Querschnittsform oder nach ihrem Verlauf. Wo das Wasser herkommt, das aus der kleinen Quellhöhle Ibachhöhle – die man gefahrlos begehen kann – fliesst, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich ist es zuvor in den Dolinen über der Höhle versickert.
Tafel 10: Höhleninhalt
Der Inhalt von Höhlen kann sich stark unterscheiden. Ablagerungen, Ausscheidungen und Mineralien in unterirdischen Hohlräumen nennt man Höhlensedimente. Es gibt drei Hauptgruppen von Höhlensedimenten: verwitterte und zerstörte Gesteine wie Lehm, Sand oder Kies, Ablagerungen durch chemische Vorgänge (Tropfsteine) und organische Reste wie beispielsweise Fledermauskot.
Tafel 11: Ur- und Frühgeschichte
Höhlen sind gute Archive von Ereignissen vergangener Zeiten. Oft finden sich in den Sedimentschichten Knochenreste von Tieren: wichtige und zeitlich ausgezeichnet einzuordnende Spuren. In den ältesten, untersten Schichten liegen beispielsweise Reste von Tieren verborgen, die meist ausgestorben sind, und Pollen und Samen von Zwergkiefern, Birken oder Moosen belegen den einstigen Tundrabewuchs unserer Gegend.
Tafel 12: Archäologische Funde
Die Kohlerhöhle ist die bedeutendste urgeschichtliche Höhle im Kaltbrunnental. Bei archäologischen Ausgrabungen zwischen 1934 und 1938 wurden zwei Kulturschichten entdeckt: In der oberen Kulturschicht (etwa 17 000 bis 10 000 Jahre vor unserer Zeit) finden sich Silexartefakte, andere einfache Geräte sowie Schmuckanhänger aus fossilen Schneckenschalen. Die Funde aus der unteren Schicht (Silexartefakte, Resten von Mammuten und Höhlenbären) sind deutlich älter und dürften aus der Zeit der Neandertaler stammen.
Tafel 13: Versturzquelle
Die rund 500 Meter lange Versturzquelle gehört zum grossen Entwässerungssystem des Schällbachs. Bei Hochwasser dient die Versturzquelle als Überlauf für die Röhrenquelle. Dabei steigt der Wasserspiegel so stark an, dass der Höhlengang komplett unter Wasser liegt. Selbst ohne Hochwasser müssen einzelne Stellen durchtaucht werden, um sich in der Höhle fortbewegen zu können.
Tafel 14: Höhlenforschung
Speläologie (Höhlenforschung) ist Teil der Erdwissenschaften. Der Blick in den verborgenen Untergrund bringt Erkenntnisse über die Vergangenheit und trägt dazu bei, die Zukunft zu erahnen. Da die Hilfeleistung bei Unfällen in Höhlen oft äusserst schwierig ist, wurde aus der Schweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung (SGH) heraus eine Rettungsorganisation gegründet. Dem Speleo-Secours Schweiz gehören 220 Retter an.
Karte
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Interview
Rolf Zimmerli
Präsident des Vereins Karstlehrpfad, Organisator und Macher
Was ist das Besondere am Karstlehrpfad?

Der Karstlehrpfad zeigt auf kleinem Raum praktisch alle Karsterscheinungen, welche man ansonsten in verschiedenen Landschaften der Erde suchen müsste. Die ohnehin schon interessante Juralandschaft hat unterirdisch noch viel mehr zu bieten, ohne die Lehrtafeln wären diese Schätze jedoch für den Wanderer kaum zu erkennen. Der Schutz der Höhlen ist für unsere Trinkwasserversorgung  von entscheidender Bedeutung. Unser Angebot soll das Interesse an Kultur und Natur im Rockvalley Switzerland steigern. Der Lehrpfad zeigt, dass der stadtnahe Lebensraum sehr viel zu bieten hat. Wir wollen auch den Dialog über die Zukunft unseres Lebensraums und einen nachhaltigen Austausch von Wissen zwischen den Besuchern fördern.

Seit wann gibt es diesen Lehrpfad?

Der Karstlehrpfad wurde Ende Juni 2013 eröffnet und zeigt, was die Archäologen und die Höhlenforscher im Laufental im letzten Jahrhundert entdeckt haben.

Für wen ist er geeignet?

Dieser Lehr- oder Themenpfad eignet sich sowohl für Schülerinnen und Studenten als auch für naturverbundene Familien und Touristen, die sich für Höhlenforschung und für geologische und hydrologische Erscheinungen interessieren.

Was ist Ihr persönliches Highlight beim Lehrpfad?

Der Karstlehrpfad fasziniert jahraus jahrein, weil die Wassermengen im kühlen Kaltbrunnental und im Brislachallmet je nach Wetterlage und Jahreszeit sehr unterschiedlich sein können. Es empfiehlt sich, diese Wanderung einmal bei schlechteren Wetterbedingungen zu machen. Das Wasser hat diese faszinierenden Höhlen geformt, das ist das Highlight dieser Wanderung.

Was fasziniert Sie an Höhlen?

Ich habe mich schon immer für dasjenige interessiert, was unter meinen Füssen passiert. Höhlen bieten die Möglichkeit, in geologische Gesteinsschichten vorzudringen. Trotzdem bleibt immer etwas Mythisches zurück; nur Erdmännchen können dorthin gehen, wo der Mensch nicht mehr weiter kommt.

Führungen

Ab dem 25. Oktober 2014 bietet der Verein Karstlehrpfad grösseren Gruppen und Schulklassen Gästeführer. Thematische Schwerpunkte und somit der Verlauf der Exkursion werden jeweils direkt vereinbart. Gesamtdauer der Führungen (ohne Verpflegungshalt) ist mindestens drei Stunden. Weitere Informationen bei Rolf Zimmerli, Weiherweg 16, 4242 Laufen, Telefon 061 761 85 39. Änderungen vorbehalten.

Infos
Länge des Weges

etwa 9,5 Kilometer

Reine Marschzeit

2,5 bis 3 Stunden

Anfahrt mit öffentlichem Verkehr

Regio-S-Bahn bis Zwingen (der Karstlehrpfad ist ab Bahnhof ausgeschildert)

Rückfahrt mit dem öffentlichen Verkehr

Regio-S-Bahn ab Grellingen

Mit dem Auto

Da der Karstlehrpfad keine Rundwanderung ist, empfiehlt sich die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr.

Besonderes

Festes Schuhwerk und unempfindliche Kleidung sind für diese Wanderung empfehlenswert. Auch eine Taschenlampe ist praktisch, um die Höhleneingänge besser ansehen zu können.

Kontakt

Verein Karstlehrpfad, Rolf Zimmerli, Weiherweg 16, 4242 Laufen, Telefon 061 761 85 39, www.karstlehrpfad.ch